Störfälle

Störfälle im Landkreis

bisherige Störfälle Landkreis Rotenburg


Im Landkreis Rotenburg wurden bisher folgende Störfälle infolge von Erdgas- förderung und Fracking bekannt:

  • Boden- und Grundwasserverseuchung mit krebserzeugenden zyklischen Kohlenwasserstoffen durch Austritt von Lagerstättenwasser aus Rohrleitungen
  • Erdbeben mit vielen Gebäudeschäden
  • Quecksilberaustritt in Luft und Boden (offenes Abfackeln)
  • Brand von schadstoffhaltigen Filteranlagen

zu 10:
Lagerstättenwasser aus LKW ausgelaufen

Am 09.06.2013 lief auf Grund eines nicht ordnungsgemäß geschlossenen Tankdeckels 50 bis 100 Liter gefährliches Lagerstättenwasser vor der Bohrstelle „Hemsbünde Z1“/RWE Dea auf Fahrbahn und Seitenstreifen aus. Der Betreiber führte Messungen in Luft und Seitenraum durch, das Amt für Wasserwirtschaft nahm Gewässerproben aus einem angrenzenden Graben.

Polizeiinspektion Rotenburg
Rotenburger Rundschau 09.08.2013

zu 9:
Bodenverseuchung durch auslaufendes Lagerstättenwasser auf dem Gelände der Versenkbohrung “Wittorf Z1”

Am 24.05.2013 kam es an der Anlage Wittorf Z1 nach einer Druckmessung zum Austritt von ca. 200 Liter Lagerstättenwasser. Das Wasser befand sich in einer Leitung, die vor dem Auseinanderschrauben nicht ordnungsgemäß entleert worden war. 25 qm Boden mussten unter Atemschutz ausgekoffert werden.

Rotenburger Kreiszeitung 25.05.2013

zu 8:
Brand von Aktivkohlefiltern auf dem Gelände der Versenkbohrung “Wittorf Z1”

Am 11.05.2012 gegen 9.30 Uhr entdeckte eine Polizeistreife den Brand auf dem Betriebsgelände der RWE Dea. Zwei Aktivkohlefilter waren aus ungeklärter Ursache in Brand geraten; über die Aktivkohlefilteranlagen wird die Abluft der Versenkflüssigkeiten in den Lagertanks gefiltert.

Sofort wurden die Feuerwehren alarmiert: Wittorf, Visselhövede, Rotenburg, der Gefahrengutzug aus Zeven, sowie  Messtrupps. Niemand konnte sagen, welche Gefahren die mutigen Männer dort erwarten; vor Radioaktivität waren sie ungeschützt. Die Flammen erloschen relativ zügig von selbst, aber starke Rauchentwicklung bestand weiter. Schädliche Gase konnten per Messung nicht ermittelt werden. Die verkohlten Filter wurden demontiert und die Kessel mit Stickstoff gespült. Flüssiger Stickstoff musste von RWE-Mitarbeitern nachgeordert werden, da auf der Anlage nicht genug vorhanden war.

Die Versenkbohrung wurde bis zum 8.06.2012 außer Betrieb genommen.

Rotenburger Kreiszeitung 12.05.2012

zu 7:
Quecksilberaustritt auf dem Gelände der Versenkbohrung “Wittorf Z1”

Am 20.04.2012 entdeckte ein Transportunternehmen bei Verladearbeiten auf dem Betriebsgelände 40 ml Quecksilber an gelagerten Rohren unter freiem Himmel. Die Rohre lagerten dort seit Frühjahr 2011.

Wieviel Quecksilber davon bereits verdampft war, ist unbekannt. Der Schadensbereich wurde saniert durch  10 Kubikmeter Bodenaushub. Die RWE Dea meldete den Störfall an das LBEG, der Grundeigentümer erfuhr es aus der Presse!

Rotenburger Rundschau 26.04.2012
Rotenburger Kreiszeitung 27.04.2012

zu 6:
Leckagen an einer Lagerstättenwasserleitung bei Bötersen mit Boden- und Grundwasserverseuchung

Am 16.03.2012 stellte der Betreiber während einer Kontrolluntersuchung 3 Schadstellen an der Lagerstättenwasserleitung (Material: GfK – glasfaserverstärkter Kunststoff) zwischen den Bohrstellen „Bötersen Z4“ und „Bötersen Z7“ fest. Hier trat Lagerstättenwasser an den Muffen aus, die bei den Krümmungen eingesetzt werden. Benzol, Toluol und Xylol wurden in Boden und Grundwasser nachgewiesen. Die Leitungsreparatur und Sanierungsarbeiten begannen im Juni 2012, Oberwasser wurde gefiltert, Boden ausgetauscht.

LBEG (Bergamt)
Rotenburger Kreiszeitung 26.04.2012

zu 5:
Erdbeben 2012 – Epizentrum im Gebiet des Erdgasfeldes Söhlingen

Am 13.02.2012 ereignete sich nahe der Stelle des großen Bebens 2004 ein Erdbeben der Stärke  3,0 auf der Richterskala. Als Auslöser stehen die Erdgasförderung und Fracking in Verdacht.

LBEG (Bergamt)
ZDF Terra Xpress 19.08.2012 „Riskante Gasförderung in Deutschland“

zu 4:
Weiterer schwerer Leitungsschaden in Söhlingen mit großflächiger Boden- und Grundwasserverseuchung

Im Mai 2011 wurden bei Moordorf aufwendige Sanierungsarbeiten durchgeführt auf Grund von Boden- und Grundwasserverunreinigungen mit Quecksilber (giftig), Chlorid, Benzol (krebserregend), Toluol, Xylol und Ethylbenzol. Lagerstättenwasser war an 4 Lokalisationen in Boden und Grundwasser gedrungen; als Ursache wurden neben Diffusion auch unsaubere Sanierungsarbeiten in den 1990er-Jahren angegeben (in vorhandene Metallrohre wurden wegen beginnender Korrosion Kunststoffrohre eingelegt. Dafür mussten die Metallrohre geöffnet und mit Muffen verschlossen werden. Lagerstättenwasser gelangte hier ins Erdreich).

Lt. ExxonMobil wurden erste Verunreinigungen bereits 2007 festgestellt (im Zusammenhang mit Punkt 2) – und erst jetzt saniert! Der Landkreis hat die Bekanntgabe der Schäden unterlassen.

Antwortschreiben vom Landkreis Rotenburg an den BUND/Ortsgruppe Rotenburg
Weserkurier 12.10.2011

zu 3:
Quecksilberaustritt auf Erdgasförderplatz “Hemsbünde Z1”

Im Januar 2011 gelangte bei Reinigungsarbeiten auf dem Betriebsgelände Quecksilber in das Erdreich. Als erste Sanierungsmaßnahme wurde kontaminiertes Erdreich abgetragen. Weitere Wasserproben wurden genommen.

LBEG (Bergamt)
Rotenburger Rundschau 19.01.2011

zu 2:
Schwerer Leitungsschaden in Söhlingen mit großflächiger Boden- und Grundwasserverseuchung

Ende 2007 stellte der Betreiber Undichtigkeiten an der Rohrleitung E0582 (aus PE80) für Lagerstättenwasser bei Moordorf auf einer Länge von 2 Kilometern an 9 Lokalisationen fest. Die Leitung führt von der Förderstelle „Söhlingen Z3“ zur Betriebsstätte. Bei näheren Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Kunststoffleitung höhere Kohlenwasserstoffe (z. B. das nachweislich krebserregende Benzol) durch die Wandung diffundieren ließ.

So gelangten Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol, Chlorid und Quecksilber in Boden und Grundwasser. Der Benzolwert betrug bis zu 155.000 µg/l (der zulässige Grenzwert liegt bei 5 µg/l)! Im Frühjahr 2011 wurden bei drei Anwohnern Benzol-und Quecksilberwerte im Blut festgestellt.

Die Leitungen wurden stillgelegt und Boden und Grundwasser Mitte 2008 bis Ende 2010 vom Betreiber aufwendig saniert:  2.500 Kubikmeter kontaminiertes Erdreich wurde ersetzt, Grundwasserreinigungsarbeiten erfolgten.

Dieser Umweltskandal wurde der breiten Öffentlichkeit verschwiegen und erst nach Medienrecherchen (NDR „Markt“ u. a.) Ende 2010 bekannt. Erst nach diesen Veröffentlichungen reagierte das Bergamt mit der Anordnung, alle Rohrleitungen aus PE80 für Lagerstättenwasser zu verbieten (Anweisung vom 21.01.2011) und alle Kunststoff-Rohrleitungen bei der Erdöl- und Erdgasförderung in Niedersachsen – insgesamt 740 Kilometer, davon 160 km aus dem problematischen PE – durch Eignungsnachweise und Bodenproben auf Diffusion zu überprüfen (Anweisung vom 13.04.2011).

NDR Fernsehen/Markt 10.01.2011 „Gift im Boden“
NDR Fernsehen/Markt 21.02.2011 „Benzol im Boden“
Rotenburger Rundschau vom 14.01.2011

zu 1:
Erdbeben 2004 – Epizentrum im Gebiet des Erdgasfeldes Söhlingen

Am 20.10.2004 ereignete sich zwischen Wittorf und Bellen ein Erdbeben mit einer Stärke von 4,5 auf der Richterskala (und einem Nachbeben der Stärke 2,3). Das Beben dauerte ca. 1 Minute, Einwohner vernahmen ein berstendes Donnern; ein Zittern war bis nach Hamburg und Bremen zu spüren. Als Auslöser steht die Erdgasförderung in Verdacht.

ZDF Terra Xpress 19.08.2012 „Riskante Gasförderung in Deutschland“
Rotenburger Rundschau 06.09.2007