Fracking in Rotenburg

Erdgasfelder incl. Bohrstellen mit Fracanzahl        Versenkbohrungen        Störfälle

In Niedersachsen und im Landkreis Rotenburg/Wümme wird bereits seit Jahren Fracking durchgeführt – entgegen der Äußerungen unseres Bundesumweltministers, der immer wieder gerne betont, dass derzeit genau abgewägt wird, ob Fracking zum Einsatz kommt. Wir im Landkreis Rotenburg/Wümme haben bereits seit Jahren mit den umweltschädlichen Auswirkungen von Fracking zu kämpfen! Aktuellster Störfall ist der Austritt von 50-100 Litern hochgiftigem Lagerstättenwasser beim Beladen eines Tanklastzuges am 6. Juni. Mittlerweile nichts Ungewöhnliches: Bereits am 25. März traten in Grapenmühlen bei Visselhövede bei einem Störfall 200 Liter Lagerstättenwasser aus. Fotos davon gibt es hier!

Die Grafik unten gibt eine Übersicht über die Fracking-Aktivitäten in unserem Landkreis und zeigt gleichzeitig die Störfälle und Umweltschäden auf – Erdstöße, die mittlerweile laut Gutachtern auf das Fracking zurückgehen, großflächige Verseuchungen des Bodens durch ausgetretenes, hochgiftiges Lagerstättenwasser und die Verpressung dieses Wassers in den Boden. Unter anderem werden zu Testbohrungen auch gerne mehrere tausend Liter Diesel in den Boden gepumpt. Aus diesem Grund ist kürzlich von einem Kreistagsabgeordneten Strafanzeige gegen die Energieunternehmen gestellt worden.

Besonderes kritisch in unserem Landkreis ist, dass die Trinkwasserversorgung akut gefährdet ist. Die Bohrstelle in Bötersen durchdringt die “Rotenburger Rinne”, aus der das Trinkwasser für die ganze Region gespeist wird. 

 Erdgasförderstellen und Versenkbohrungen im Landkreis Rotenburg, sowie Störfälle

Erdgasförderstellen und Versenkbohrungen im Landkreis Rotenburg, sowie Störfälle

Erdgasfelder im Landkreis:

Erdgas wird im Landkreis Rotenburg aus dem “Rotliegend Sandstein” gefördert. Das in Sandstein eingeschlossene Gas (Tight Gas) ist ein Grenzfall zwischen konventioneller und unkonventioneller Lagerstätte; von der Gasindustrie wird sie vorwiegend als konventionell bezeichnet.

Beim LBEG (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie) werden die Fördergebiete in folgende Felder unterteilt:

Feldeskomplex Rotenburg-Taaken

Fundjahr: 1982, Operator: ExxonMobil und RWE Dea, Stand 2012: Förderung aus 31 Sonden
Förderstärkstes deutsches Gasfeld seit 1999. Entsorgung der hoch belasteten Abwässer größtenteils in der Versenkbohrung "Sottrum Z1".


Förderstelle
Betreiber
Anzahl
Fracs
erster
Frac
letzter
Frac
Besonderheiten
zum Foto
Borchel Z1ExxonMobil1 Frac
2000-08-24"Borchel Z1", ExxonMobil, 1 Frac
Bötersen Z1ExxonMobil1 Frac
1999-11-18"Bötersen Z1", ExxonMobil, 1 Frac
Bötersen Z2RWE Dea
3 Fracs
1992-11-012010-06-01"Bötersen Z2", RWE Dea, 3 Fracs
Bötersen Z3
ExxonMobil1 Frac

1995-06-15"Bötersen Z3", ExxonMobil, 1 Frac
Bötersen Z4
ExxonMobil1 Frac1995-08-31
"Bötersen Z4", ExxonMobil, 1 Frac
Bötersen Z5
RWE Dea1 Frac

1994-04-01"Bötersen Z5" /RWE Dea, 1 Frac, z. Zt. keine Förderung
Bötersen Z6
RWE Dea2 Fracs

1995-04-012006-11-01"Bötersen Z6", RWE Dea, 2 Fracs
Bötersen Z7 /a
ExxonMobil1 Frac

2001-02-08Horizontalbohrung (1,1 km),
Gastrocknungsanlage
"Bötersen Z7", ExxonMobil, Horizontalbohrung mit 1 Frac, Gastrocknungsanlage
Bötersen Z8 /a
RWE Dea1 Frac

1998-08-01Horizontalbohrung (1,2 km), a: (1,6 km)"Bötersen Z8" /RWE Dea, Horizontalbohrung mit 1 Frac
Bötersen Z9 /a
ExxonMobil1 Frac

1997-10-30"Bötersen Z9", ExxonMobil, 1 Frac
Bötersen Z10 (2)
RWE Dea2 Fracs

2008-11-012008-11-01(2): Horizontalbohrung (0,93 km)"Bötersen Z10", RWE Dea, Horizontalbohrung mit 2 Fracs
Bötersen Z11
ExxonMobilFrac beantragt!
"Bötersen Z11" /ExxonMobil, Frac beantragt!
Bötersen-Süd Z01
ExxonMobil2 Fracs

2008-04-182008-04-26Horizontalbohrung (0,5 km)"Bötersen-Süd Z01" /ExxonMobil, Horizontalbohrung mit 2 Fracs
Hemsbünde Z1
RWE Dea1 Frac

1997-06-01"Hemsbünde Z1", RWE Dea, 1 Frac
Hemsbünde Z2
RWE Dea

1 Frac
Frac beantragt!
1999-09-01"Hemsbünde Z2", RWE Dea, 1 Frac bereits, Frac beantragt!,
Hemsbünde Z3
RWE Dea1 Frac 2005-09-01
im Wasserschutzgebiet!
"Hemsbünde Z3", RWE Dea, 1 Frac, Wasserschutzgebiet
Hemsbünde Z4
RWE Dea1 Frac
Frac beantragt!

2000-09-01im Wasserschutzgebiet!
"Hemsbünde Z4" /RWE Dea, 1 Frac bereits, Frac beantragt! im Wasserschutzgebiet!!!
Hemsbünde Z5
RWE Dea2 Fracs

1996-05-012008-05-15"Hemsbünde Z5", RWE Dea, 2 Fracs
Hemsbünde Z6RWE Dea1 Frac

2003-03-01im Wasserschutzgebiet!
"Hemsbünde Z6", RWE Dea, 1 Frac, Wasserschutzgebiet!!!
Höhnsmoor Z1
RWE Dea2 Fracs
1995-08-012011-06-22"Höhnsmoor Z1", RWE Dea, 2 Fracs
Langenhörn Z1
RWE Dea1 Frac

2007-10-01"Langenhörn Z1", RWE Dea, 1 Frac
Mulmshorn Z1
ExxonMobil2 Fracs
2000-03-142007-08-22"Mulmshorn Z1", ExxonMobil, 2 Fracs
Mulmshorn Z2
ExxonMobil1 Frac

1994-10-12"Mulmshorn Z2", ExxonMobil, 1 Frac
Mulmshorn Z3 /a
ExxonMobil1 Frac

1999-10-15"Mulmshorn Z3", ExxonMobil, 1 Frac
Mulmshorn Z4
ExxonMobil1 Frac

2006-08-09"Mulmshorn Z4" /ExxonMobil, 1 Frac
Mulmshorn Z5
ExxonMobil1 Frac

2001-09-12"Mulmshorn Z5", ExxonMobil, 1 Frac
Mulmshorn Z6 (1)+(2)ExxonMobil1 Frac


1998-07-09
Preyersmühle-Hastedt Z1
ExxonMobil1 Frac

1985-06-12"Preyersmühle-Hastedt Z1" /ExxonMobil, 1 Frac
Preyermühle-Süd Z1
ExxonMobil2 Fracs
2006-06-152006-06-22"Preyersmühle-Süd Z1" /ExxonMobil, 2 Fracs
Taaken Z1
ExxonMobil
Taaken Z2
ExxonMobil
Westerholz Z1
RWE Dea"Westerholz-Z1", RWE Dea
Worth Z1 /a
ExxonMobilevtl. Frac geplant
a: Horizontalbohrung (0,7 km südwestlich)"Worth Z1", ExxonMobil

Feld Söhlingen

Fundjahr: 1980, Operator: ExxonMobil, Stand 2012: Förderung aus 18 Sonden
1994 wurde hier die erste Horizontalbohrung mit Mehrfachfracs durchgeführt. 400 km Feldleitungen zum Transport von Gas und Lagerstättenwasser liegen in diesem Gebiet.


Förderstelle
Betreiber
Anzahl
Fracs
Datum
erster Frac
Datum
letzer Frac
Besonderheiten
zum Foto
Söhlingen Z1ExxonMobil"Söhlingen Z1" /ExxonMobil
Söhlingen Z2ExxonMobil1 Frac

1996-01-24"Söhlingen Z2" /ExxonMobil, 1 Frac
Söhlingen Z3ExxonMobil
1 Frac
1984-12-04Horizontalbohrung a (1) 0,5 km, (2) 1,0 km, (3) 0,8 km"Söhlingen Z3" /ExxonMobil, 1 Frac, 3 Horizontalbohrungen
Söhlingen Z4
ExxonMobil1 Frac1982-12-22"Söhlingen Z4" /ExxonMobil, 1 Frac
Söhlingen Z5
ExxonMobil1 Frac1985-10-18"Söhlingen Z5" /ExxonMobil, 1 Frac
Söhlingen Z6

ExxonMobil1 Frac1996-12-11
Söhlingen Z7
ExxonMobil2 Fracs1997-09-032010-06-02"Söhlingen Z7" /ExxonMobil, 2 Frac
Söhlingen Z8 /a
ExxonMobil2 Fracs2006-12-122007-10-24"Söhlingen Z8" /ExxonMobil, 2 Frac
Söhlingen Z9 /a
ExxonMobil1 Frac2009-11-11"Söhlingen Z9" /ExxonMobil, 1 Frac
Söhlingen Z10
ExxonMobil4 Fracs1994-08-211994-10-13Horizontalbohrung mit Mehrfachfracs (gefeiert als Weltneuheit)"Söhlingen Z10" /ExxonMobil, Horizontalbohrung mit 4 Fracs
Söhlingen Z11
ExxonMobil1 Frac1997-06-24"Söhlingen Z11" /ExxonMobil, 1 Frac
Söhlingen Z12
ExxonMobil2 Fracs1999-04-272008-05-28"Söhlingen Z12" /ExxonMobil, 2 Fracs
Söhlingen Z13
ExxonMobil5 Fracs1999-07-031999-07-28Horizontalbohrung (1,7 km) mit Mehrfachfracs
"Alt-Frac", Heidekreis
"Söhlingen Z13" /ExxonMobil, Horizontalbohrung mit 5 Fracs
Söhlingen Z14
ExxonMobil8 Fracs2000-10-192000-12-13Horizontalbohrung (1,5 km) mit Mehrfachfracs
"Alt-Frac", Heidekreis
"Söhlingen Z14" /ExxonMobil, Horizontalbohrung mit 8 Fracs
Söhlingen Z15
ExxonMobil5 Fracs2003-05-162003-05-16Horizontalbohrung mit Mehrfachfracs"Söhlingen Z15" /ExxonMobil, Horizontalbohrung mit 5 Fracs
Söhlingen Z16
ExxonMobil9 Fracs2008-02-072008-04-20Horizontalbohrung (1,8 km) mit Mehrfachfracs"Söhlingen Z16" /ExxonMobil, Horizontalbohrung mit 9 Fracs
Söhlingen-Ost Z1
ExxonMobil2 Fracs1983-08-192007-27-03Heidekreis"Söhlingen-Ost Z1" /ExxonMobil, 2 Fracs
Söhlingen-Ost Z2
ExxonMobilHeidekreis"Söhlingen-Ost Z2" /ExxonMobil, z. Zt. keine Förderung
Söhlingen-Ost Z3
ExxonMobil1 Frac1990-09-27"Söhlingen-Ost Z3" /ExxonMobil, 1 Frac
Söhlingen-Ost Z4
ExxonMobil1 Frac1991-05-30Heidekreis"Söhlingen-Ost Z4" /ExxonMobil, 1 Frac
Söhlingen-Ost Z5
ExxonMobil1 Frac2009-12-07Heidekreis"Söhlingen-Ost Z5" /ExxonMobil, 1 Frac
Söhlingen-Ost Z7
ExxonMobil2 Fracs1991-11-262009-01-13
Söhlingen-Ost Z8
ExxonMobil1 Frac1992-06-18Heidekreis"Söhlingen-Ost Z8" /ExxonMobil, 1 Frac
Grauen Z1
ExxonMobil1 Frac1993-11-04Heidekreis"Grauen Z1", ExxonMobil, 1 Frac

Feld Weissenmoor

Fundjahr: 1996, Operator: RWE Dea, Stand 2012: Förderung aus 1 Sonde

Förderstelle
Betreiber
Anzahl
Fracs
Datum
erster Frac
Datum
letzer Frac
Besonderheiten
zum Foto
Weissenmoor Z1RWE Dea2 Fracs
Frac beantragt!
2008-05-012010-04-01Landkreis Verden "Weissenmoor Z1", RWE Dea
Weissenmoor Z2RWE Deazur Zeit im Bau

Feld Ostervesede /-SW

Fundjahr: 1983, Operator: ExxonMobil, Stand 2012: Förderung aus 0 Sonden
Keine Förderung seit 2012.


Förderstelle
Betreiber
Anzahl
Fracs
Datum
erster Frac
Datum
letzer Frac
Besonderheiten
zum Foto
Ostervesede Z1/ aExxonMobilHorizontalbohrung (0,7 km südwestlich)"Ostervesede Z1" /ExxonMobil

Feld Einloh

Fundjahr: 1988, Operator: ExxonMobil, Stand 2012: Förderung aus 0 Sonden
Keine Förderung seit 2010

Förderstelle
Betreiber
Anzahl
Fracs
Datum
erster Frac
Datum
letzer Frac
Besonderheiten
zum Foto
Einloh Z1ExxonMobil "Einloh Z1" /ExxonMobil, z. Zt. keine Förderung

 Bohrstellen im Landkreis Rotenburg:

Versenkbohrungen im Landkreis Rotenburg:

Bei der Gasförderung werden neben dem Erdgas Lagerstättenwasser und nach Frac-Prozessen auch Frackfluide mit hochgefördert (im Landkreis Rotenburg aus ca. 5000 m Tiefe). Diese Abfallprodukte werden in stillgelegten Bohrstellen entsorgt, den so genannten Versenkbohrungen. Nur werden die toxischen Abwässer hier eben nicht, wie von der Erdgasindustrie oft behauptet “dort wieder hingepumpt wo sie herkommen”, sondern über weite Strecken transportiert und an anderer Stelle nur um die 1000 m Tiefe verklappt – wesentlich näher an grundwasserführenden Schichten. Auch der Transport dorthin ist problematisch und hat im Landkreis bereits großflächige Boden- und Grundwasserverseuchungen verursacht.

→ Infos zu Versenkbohrungen, Lagerstättenwasser und Fracfluide
siehe unter: “Entsorgungsprobleme

Bis Ende 2012 wurden 3,45 Milliarden Liter dieser hoch belasteten Flüssigkeiten in folgende Bohrungen im Landkreis verpresst:


“Sottrum Z1″ /Exxon Mobil

Versenkbohrstelle "Sottrum Z1"

Versenkbohrstelle “Sottrum Z1″ in Hassendorf

Versenkhorizont:           785 m
in Betrieb seit:               1991
Belieferung über:          Rohrleitungen und
…………………………..TKW
(Tankkraftwagen)
Einpressmenge/Tag
im Durchschnitt:           
140 Tausend Liter
                                       (entspricht 5-6 TKW)
Einpressmenge/gesamt
(Stand: 31.12.2012):
     929,4 Millionen Liter
                                      (entspricht 36.000 TKW)

 


“Wittorf Z1″ /RWE Dea

Versenkbohrung "Wittorf Z1" /RWE Dea, seit 1995, Versenkhorizont: 932 m

Versenkbohrstelle “Wittorf Z1″ in Grapenmühlen

Versenkhorizont:           932 m
in Betrieb seit:               1995
Belieferung über:          TKW (Tankkraftwagen)                                          
Einpressmenge/Tag
im Durchschnitt:           
125 Tausend Liter
                                       (entspricht 5 TKW)
Einpressmenge/gesamt
(Stand: 31.12.2012):
     667,5 Millionen Liter

 

Folgende Unfälle auf der Anlage wurden bekannt:

  • am 20.04.2012 festgestellt: Quecksilberaustritt an seit einem Jahr gelagerten Rohrleitungen
  • am 11.05.2012: Brand von zwei Aktivkohlefiltern
  • Oktober 2012 bekanntgegeben: Durchlässigkeit der Zementierung innerhalb der Bohrung
  • am 24.05.2013: ca. 200 Liter Lagerstättenwasser lief nach Druckmessung aus

 ”Gilkenheide Z1″ /Exxon Mobil

Versenkbohrung "Gilkenheide Z1" /ExxonMobil, seit 1990, Versenkhorizont: 1.118 m

Versenkbohrstelle “Gilkenheide Z1″ bei Hiddingen

Versenkhorizont:           1.118 m
in Betrieb seit:               1990
Belieferung über:          Rohrleitungen und
…………………………..TKW
(Tankkraftwagen)
Einpressmenge/Tag
im Durchschnitt:           
145 Tausend Liter
                                       (entspricht 5-6 TKW)
Einpressmenge/gesamt
(Stand: 31.12.2012):
     883,5 Millionen Liter

.

Rückgeförderte Fracflüssigkeiten aus dem Betrieb Söhlingen werden (ca. seit dem Jahr 2000) ausschließlich hier eingepresst.


 ”Söhlingen H1″ /Exxon Mobil

Versenkbohrung "Söhlingen H1" /ExxonMobil, seit 1984, Versenkhorizont: 1.634

Versenkbohrung “Söhlingen H1″ in Bellen (Exxon-Sitz)

Versenkhorizont:           1.634 m
in Betrieb seit:               1984

Einpressmenge/gesamt
(Stand: 31.12.2012):
     971,1 Millionen Liter

.

.

.


 ”Stapel Z1″ /Exxon Mobil

ehemalige Versenkbohrung "Stapel Z1" /ExxonMobil, Versenkhorizont: 1.143 m

Versenkbohrung “Stapel Z1″ in Horstedt/Stapel

Versenkhorizont:           1.143 m
Zulassung:                    1991

Diese Versenkbohrung wird zur Zeit nicht genutzt, sie dient als Reservebohrung.
Bisher gab es hier eine Probe-Injektion von 43,5 Tausend Liter.

 

 

.


Störfälle im Landkreis

bisherige Störfälle Landkreis RotenburgIm Landkreis Rotenburg wurden bisher folgende Störfälle
infolge von Erdgasförderung und Fracking bekannt:

  • Boden- und Grundwasserverseuchung mit Lagerstättenwasser, z. T grossflächig und Austritt über Jahre
  • Erdbeben, teilweise mit Gebäudeschäden
  • Quecksilberaustritt in Luft und Boden
  • Brand von schadstoffhaltigen Filteranlagen

 

zu 10:
Lagerstättenwasser aus LKW ausgelaufen

Am 09.06.2013 lief auf Grund eines nicht ordnungsgemäß geschlossenen Tankdeckels 50 bis 100 Liter gefährliches Lagerstättenwasser vor der Bohrstelle „Hemsbünde Z1“/RWE Dea auf Fahrbahn und Seitenstreifen aus. Der Betreiber führte Messungen in Luft und Seitenraum durch, das Amt für Wasserwirtschaft nahm Gewässerproben aus einem angrenzenden Graben.

Polizeiinspektion Rotenburg
Rotenburger Rundschau 09.08.2013

zu 9:
Bodenverseuchung durch auslaufendes Lagerstättenwasser auf dem Gelände der Versenkbohrung “Wittorf Z1″

Am 24.05.2013 kam es an der Anlage Wittorf Z1 nach einer Druckmessung zum Austritt von ca. 200 Liter Lagerstättenwasser. Das Wasser befand sich in einer Leitung, die vor dem Auseinanderschrauben nicht ordnungsgemäß entleert worden war. 25 qm Boden mussten unter Atemschutz ausgekoffert werden.

Rotenburger Kreiszeitung 25.05.2013

zu 8:
Brand von Aktivkohlefiltern auf dem Gelände der Versenkbohrung “Wittorf Z1″

Am 11.05.2012 gegen 9.30 Uhr entdeckte eine Polizeistreife den Brand auf dem Betriebsgelände der RWE Dea. Zwei Aktivkohlefilter waren aus ungeklärter Ursache in Brand geraten; über die Aktivkohlefilteranlagen wird die Abluft der Versenkflüssigkeiten in den Lagertanks gefiltert.

Sofort wurden die Feuerwehren alarmiert: Wittorf, Visselhövede, Rotenburg, der Gefahrengutzug aus Zeven, sowie  Messtrupps. Niemand konnte sagen, welche Gefahren die mutigen Männer dort erwarten; vor Radioaktivität waren sie ungeschützt. Die Flammen erloschen relativ zügig von selbst, aber starke Rauchentwicklung bestand weiter. Schädliche Gase konnten per Messung nicht ermittelt werden. Die verkohlten Filter wurden demontiert und die Kessel mit Stickstoff gespült. Flüssiger Stickstoff musste von RWE-Mitarbeitern nachgeordert werden, da auf der Anlage nicht genug vorhanden war.

Die Versenkbohrung wurde bis zum 8.06.2012 außer Betrieb genommen.

Rotenburger Kreiszeitung 12.05.2012

zu 7:
Quecksilberaustritt auf dem Gelände der Versenkbohrung “Wittorf Z1″

Am 20.04.2012 entdeckte ein Transportunternehmen bei Verladearbeiten auf dem Betriebsgelände 40 ml Quecksilber an gelagerten Rohren unter freiem Himmel. Die Rohre lagerten dort seit Frühjahr 2011.

Wieviel Quecksilber davon bereits verdampft war, ist unbekannt. Der Schadensbereich wurde saniert durch  10 Kubikmeter Bodenaushub. Die RWE Dea meldete den Störfall an das LBEG, der Grundeigentümer erfuhr es aus der Presse!

Rotenburger Rundschau 26.04.2012
Rotenburger Kreiszeitung 27.04.2012

zu 6:
Leckagen an einer Lagerstättenwasserleitung bei Bötersen mit Boden- und Grundwasserverseuchung

Am 16.03.2012 stellte der Betreiber während einer Kontrolluntersuchung 3 Schadstellen an der Lagerstättenwasserleitung (Material: GfK – glasfaserverstärkter Kunststoff) zwischen den Bohrstellen „Bötersen Z4“ und „Bötersen Z7“ fest. Hier trat Lagerstättenwasser an den Muffen aus, die bei den Krümmungen eingesetzt werden. Benzol, Toluol und Xylol wurden in Boden und Grundwasser nachgewiesen. Die Leitungsreparatur und Sanierungsarbeiten begannen im Juni 2012, Oberwasser wurde gefiltert, Boden ausgetauscht.

LBEG (Bergamt)
Rotenburger Kreiszeitung 26.04.2012

zu 5:
Erdbeben 2012 – Epizentrum im Gebiet des Erdgasfeldes Söhlingen

Am 13.02.2012 ereignete sich nahe der Stelle des großen Bebens 2004 ein Erdbeben der Stärke  3,0 auf der Richterskala. Als Auslöser stehen die Erdgasförderung und Fracking in Verdacht.

LBEG (Bergamt)
ZDF Terra Xpress 19.08.2012 „Riskante Gasförderung in Deutschland“

zu 4:
Weiterer schwerer Leitungsschaden in Söhlingen mit großflächiger Boden- und Grundwasserverseuchung

Im Mai 2011 wurden bei Moordorf aufwendige Sanierungsarbeiten durchgeführt auf Grund von Boden- und Grundwasserverunreinigungen mit Quecksilber (giftig), Chlorid, Benzol (krebserregend), Toluol, Xylol und Ethylbenzol. Lagerstättenwasser war an 4 Lokalisationen in Boden und Grundwasser gedrungen; als Ursache wurden neben Diffusion auch unsaubere Sanierungsarbeiten in den 1990er-Jahren angegeben (in vorhandene Metallrohre wurden wegen beginnender Korrosion Kunststoffrohre eingelegt. Dafür mussten die Metallrohre geöffnet und mit Muffen verschlossen werden. Lagerstättenwasser gelangte hier ins Erdreich).

Lt. ExxonMobil wurden erste Verunreinigungen bereits 2007 festgestellt (im Zusammenhang mit Punkt 2) – und erst jetzt saniert! Der Landkreis hat die Bekanntgabe der Schäden unterlassen.

Antwortschreiben vom Landkreis Rotenburg an den BUND/Ortsgruppe Rotenburg
Weserkurier 12.10.2011

zu 3:
Quecksilberaustritt auf Erdgasförderplatz “Hemsbünde Z1″

Im Januar 2011 gelangte bei Reinigungsarbeiten auf dem Betriebsgelände Quecksilber in das Erdreich. Als erste Sanierungsmaßnahme wurde kontaminiertes Erdreich abgetragen. Weitere Wasserproben wurden genommen.

LBEG (Bergamt)
Rotenburger Rundschau 19.01.2011

zu 2:
Schwerer Leitungsschaden in Söhlingen mit großflächiger Boden- und Grundwasserverseuchung

Ende 2007 stellte der Betreiber Undichtigkeiten an der Rohrleitung E0582 (aus PE80) für Lagerstättenwasser bei Moordorf auf einer Länge von 2 Kilometern an 9 Lokalisationen fest. Die Leitung führt von der Förderstelle „Söhlingen Z3“ zur Betriebsstätte. Bei näheren Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Kunststoffleitung höhere Kohlenwasserstoffe (z. B. das nachweislich krebserregende Benzol) durch die Wandung diffundieren ließ.

So gelangten Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol, Chlorid und Quecksilber in Boden und Grundwasser. Der Benzolwert betrug bis zu 155.000 µg/l (der zulässige Grenzwert liegt bei 5 µg/l)! Im Frühjahr 2011 wurden bei drei Anwohnern Benzol-und Quecksilberwerte im Blut festgestellt.

Die Leitungen wurden stillgelegt und Boden und Grundwasser Mitte 2008 bis Ende 2010 vom Betreiber aufwendig saniert:  2.500 Kubikmeter kontaminiertes Erdreich wurde ersetzt, Grundwasserreinigungsarbeiten erfolgten.

Dieser Umweltskandal wurde der breiten Öffentlichkeit verschwiegen und erst nach Medienrecherchen (NDR „Markt“ u. a.) Ende 2010 bekannt. Erst nach diesen Veröffentlichungen reagierte das Bergamt mit der Anordnung, alle Rohrleitungen aus PE80 für Lagerstättenwasser zu verbieten (Anweisung vom 21.01.2011) und alle Kunststoff-Rohrleitungen bei der Erdöl- und Erdgasförderung in Niedersachsen – insgesamt 740 Kilometer, davon 160 km aus dem problematischen PE – durch Eignungsnachweise und Bodenproben auf Diffusion zu überprüfen (Anweisung vom 13.04.2011).

NDR Fernsehen/Markt 10.01.2011 „Gift im Boden“
NDR Fernsehen/Markt 21.02.2011 „Benzol im Boden“
Rotenburger Rundschau vom 14.01.2011

zu 1:
Erdbeben 2004 – Epizentrum im Gebiet des Erdgasfeldes Söhlingen

Am 20.10.2004 ereignete sich zwischen Wittorf und Bellen ein Erdbeben mit einer Stärke von 4,5 auf der Richterskala (und einem Nachbeben der Stärke 2,3). Das Beben dauerte ca. 1 Minute, Einwohner vernahmen ein berstendes Donnern; ein Zittern war bis nach Hamburg und Bremen zu spüren. Als Auslöser steht die Erdgasförderung in Verdacht.

ZDF Terra Xpress 19.08.2012 „Riskante Gasförderung in Deutschland“
Rotenburger Rundschau 06.09.2007